Gesundheitserziehung und Achtsamkeit- Ein neues Schulfach

Achtsamkeit und Gesundheitserziehung - Ein neues Schulfach

 

Dieses neue und innovative Schulfach wurde von 2003-2018 an der Wilhelm-Ganzhorn-Werkrealschule Conweiler von mir als Schulpflichtfach unterrichtet, sowie einige Schuljahre an zwei weiteren umliegenden Schulen ( Grundschule, Realschule, Projektarbeit Gymnasium)

 

 

 

Der Körper ist das Haus unserer Seele! Eine Aussage aus den Bewegungssystemen des asiatischen Raumes .“Mens sana in corpore sano“- ein gesunder Geist in einem gesunden Körper. Auch hier ist der Zusammenhang zwischen Körper, Seele und Geist wie in vielen ganzheitlichen Ansätzen erkennbar. Ein stabiler, beweglicher Körper, durchlässige Gelenke, starke geschmeidige Muskeln verbunden mit innerer Zufriedenheit ermöglichen ein Wohlfühlen des gesamten Menschen.

 

Dehnlagerungen, Gleichgewichts- und Koordinationsübungen, Bewegungen, die die Körperstatik verbessern, sowie Elemente aus der Rückenschule, der Faszienarbeit, Mentaltraining , Qigong- und Yogaübungen bilden den praktischen Teil des Unterrichts.

In Hinblick auf die Wichtigkeit der Körperbildung und das „Zeitfenster für motorisches Lernen“ ergänzt das Fach - Achtsamkeit/und Gesundheitserziehung - die Persönlichkeitsbildung. 

 

Die  anmutigen und fließenden  Bewegungen des Qigong ermöglichen eine spezielle Muskelarbeit. Über Rückkopplungsmechanismen im Gehirn wirken diese langsamen Bewegungen sehr konzentrationsfördernd. Da fast immer eine   Rechts-Links-Koordinationsbewegung oder ein Einbeinstand damit verbunden ist, stellen diese Übungen hohe Anforderungen an die Motorik.

Viele Elemente werden längere Zeit in einer bestimmten Position gehalten oder oft wiederholt. Ein „Durchhalten“ beim Üben ermöglicht auf längere Zeit auch ein Durchhalten bei anderen Aufgaben.

Haltung ist kein starres Gebilde, sondern verändert sich jeden Augenblick. Äußerlich sichtbar zur Ruhe zu kommen ist erst möglich, wenn die inneren Prozesse auch wahrgenommen werden können, die Gedanken nicht festgehalten werden und jeder für sich eine Möglichkeit findet, um die innere Unruhe nach außen fließen zu lassen.

Asiatische Körperarbeitsmethoden arbeiten oft in blumiger Sprache mit viel Symbolik. 

Um dies an einem Beispiel fest zu machen:

Es gibt Übungsfolgen, die einen Kranich beim Flug darstellen. Ein Kranich ist ein anmutiges, kraftvolles und ästhetisch ansprechendes Tier. Im Kranichflug kommen alle Kraniche mit, keiner wird bevorzugt oder benachteiligt. Kraniche fliegen in Formation und stellen in vielen Kulturen ein Glück bringendes Tier dar. 

Wenn wir davon ausgehen, dass positive Gedanken auch positives Handeln nach sich ziehen, wird schnell klar, wie wichtig diese blumige Sprache verbunden mit körperlichem Arbeiten ist.

Ein weiterer wichtiger Aspekt im Unterricht  stellt die Atemarbeit und das Sprechtraining dar. Wir lassen uns gegenseitig ausreden, jeder bringt seinen verbalen Beitrag zu einem Thema und jeder erhält  gleichviel Zeit zum Erzählen. Die Schüler lernen einander zuzuhören und sich vorher genau zu überlegen, was sie sagen möchten, formulieren, denken nach.

 

Formulieren, besonders schöne Adjektive finden, formt die Sprachbildung.

 

Vokalatmung zur Stärkung des Zwerchfells wäre ebenfalls eine Möglichkeit auf das Wohlbefinden einzuwirken.

 

Asanas des Hatha-Yoga, spiraldynamische Übungen, Dehnlagerungen und klassische Dehnungen erhalten die Geschmeidigkeit des Körpers. Gelenke, Sehnen, Bänder und Faszien bleiben geschmeidig und dehnbar.

 

Fächerübergreifendes Arbeiten bietet sich ebenfalls an.

Im Bereich der Rückenschule kann man erklären, in welchen Ländern, man wie sitzt:

Beispiel: Japan-Fersensitz, Indien-Schneider- oder Lotussitz. Dies hilft das Interesse für andere Länder und Kulturen zu wecken.

 

Ein großer Pluspunkt dieses Faches ist außerdem die Rythmusfindung. 

Jeder Mensch hat seinen eigenen Rhythmus, um zu wachsen, zu verstehen, innerlich wie äußerlich Zeit wahrzunehmen. Jeder Mensch hat einen eigenen Rhythmus, was das körperliche Wachstum, die geistige Reife und die Bildung der Persönlichkeit angeht.. Erkennen des eigenen Atemrythmus, der Gehgeschwindigkeit, wie lange brauche ich, um ein Bild in mich aufzunehmen? - sind wichtige Schritte .

 

Somit holt sich jeder Schüler dort ab, wo er sich mit seinem Lerntempo und seinen Gegebenheiten befindet. Es gibt keine schlechten Schüler, sondern jeder hat seine individuellen Lernfortschritte!

 

In kleinen Schritten lernen die Schüler sich auf  Ruheübungen einzulassen. In Ruhe zu sitzen darf nicht mit Anstrengung verbunden sein. Wir lernen über Atemübungen, Übungen zum Aufbau der Körperstatik, Körperwahrnehmungsübungen, Konzentrationsübungen in Ruhe zu sitzen. Die eigene Zufriedenheit kennenlernen, den Augenblick genießen muss erarbeitet werden. In Hinblick auf neurobiologische Forschungen, wirken ganzheitliche Methoden auf den gesamten Menschen im Hinblick auf die Gesundheit, die Stärkung des Immunsystems und auf die Konzentrationsförderung.

 

 Ein weiterer Punkt des Achtsamkeitstrainings ist das Wahrnehmen der eigenen Befindlichkeit und die der anderen Mitschüler. Zu spüren und wahrzunehmen wie es mir geht, was ich für Bedürfnisse habe, wo meine Grenzen sind, wo meine Schwächen und Stärken sind und als Mensch einfach so akzeptiert zu werden, wie man ist, sind Schwerpunkte des Achtsamkeits-Mental- und Sozialtrainings. Wenn Ruhe einkehrt, können Sinne geschärft werden.

Immer wieder kommt als Resonanz aus Schülerreihen, wie wohltuend Unterricht in Ruhe ist.

 

Die Kinder für das Leben stärken ist sicherlich ein weiteres Ziel des Unterrichtes.

 

Das mentale Training ,so wie wir es verstehen, setzt sich aus folgenden Bausteinen zusammen: Ziele und Zielfindung, Atmung, Entspannung, Visualisierung, Fühlen und Imagination, optimistisches Denken, kraftvolle und adäquate Körperhaltung, Konzentration und Wahrnehmung, klare Ausrichtung und Wertschätzung.(aus Mentaltraining für Jugendliche G.Petrig,S.Baisch-Zimmer)

 

Für die Bausteine des Mentaltrainings möchte ich mich auf ein Zitat Albert Schweitzers berufen: „ Das Heil der Welt liegt nicht in anderen Maßnahmen, sondern in einer anderen Gesinnung!“

 

  • Verbesserungen durch das Schulfach Gesundheitserziehung und Achtsamkeit:
  • Verbessertes Sozialverhalten/Klassengemeinschaft
  • Gelasseneres Handeln, Eigenmotivation steigt
  • Beginn von Eigenreflexion
  • Selbstwertgefühl wird gestärkt
  • Freundliches Auftreten
  • Aufmerksamkeit für die Umgebung ist erhöht
  • Verbesserung der eigenen inneren Einstellung verbessert die Wertschätzung gegenüber anderen.
  • Möglichkeit bei Kopfschmerzen, Rückenschmerzen sich selbst zu helfen
  • Stärkung der Rumpfmuskulatur, Verbesserung der Spannungsverhältnisse im Körper ( Faszien, Zugspannung etc.)
  • Deutlich verbesserte Beweglichkeit
  • Schüler erzählen, was sie bewegt - Mitgefühl wird stärker für die Anderen
  • Körpersprache verbessert sich (Habitus, Spannungsverhältnisse, Körperausdruck, Offenheit der Arme und Hände, Mimik)
  • Durch Gleichgewichtschulung verbesserte Belastbarkeit (körperlich und psychisch)
  • Stabilisierung der Fußmuskulatur durch Barfuß-Gehen und Arbeiten mit labilen Unterlagen
  • Bildhafte Sprache spricht die Schüler an, Gefühle werden wahrgenommen.